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Könnte es sein, dass der ganze Populismus, diese Debatten und Meinungen von Pseudoislamexperten und Möchtegernintellektuellen dazu führen, dass viele Menschen hier die Muslime nicht mehr als gleichwertige Lebewesen betrachten? Zumindest haben viele Muslime dieses Gefühl, wenn sie auf der Straße mit seltsamen Worten beschrieben werden oder Leute ignorierend an ihnen vorbei gehen, als seien sie Luft, wenn sie nach dem Weg fragen.
Zeuge eines ähnlichen Ereignisses wurde mein bester Freund, als er letzten Montag morgens in die Bahn stieg.
Morgens halb 10 in Deutschland:
Mein Freund betritt die Bahn und setzt sich hin. Etwas weiter vor ihm steht eine erwachsene deutsche Muslima. Mit Kopftuch. Sie nimmt ein paar Fussel von ihrem Baumwollärmel und lässt diese anschließend neben sich auf den Boden fallen.
Etwas weiter hinten sitzt ein älterer Herr zwischen 60 und 70 Jahren und reagiert mit lauter Stimme: “Was soll daas?! Was machen Siiie?!!” Die Frau entgegnete: “Was ist denn mit Ihnen los?” “Das dürfen Sie niicht!! Machen Sie das zu Hause aber nicht hiier!!!”
Ganz nebenbei darf angemerkt werden, dass jedes Wochenende der Ausnahmezustand herrschen darf, wenn Besoffene grölend die Bahn verschmutzen, wo leere und halbleere Bierflaschen von einem Ende des Abteils der Bahn bis zum anderen rollen, während die Bahn fahren und anhalten muss. Der Boden total feucht, voller Flecken und verklebt und nicht zu vergessen der Gestank, den man ertragen muss. Vor allem zu Karneval wird die Müll- und Abfallverteilung in der Straßenbahn nicht angeprangert. Das ist ok. Denn das sind unsere integrierten gleichwertigen Nachbarn. Stattdessen machen wir uns mal lieber mehr Sorgen und Gedanken um die paar Fussel, von denen der alte Herr viele mehr in seinen Ohren gehabt haben müsste so laut wie er war.
Wie dem auch sei. Das war auf jeden Fall der Punkt an dem sich mein Freund einbrachte und auch laut werden musste: “Was ist mit Ihnen los?! Was ist Ihr Problem?! Lassen Sie die Frau doch in Ruhe!”
“Was ist daran so schlimm einen Fussel wegzuwerfen? Machen Sie das nur weil ich ein Kopftuch trage?! “
Daraufhin folgte eine nettere Unterhaltung zwischen meinem Freund und der älteren Dame, die neben ihm saß. Sie fügte hinzu und betonte, dass “die Probleme nicht immer von den Jugendlichen” kämen, “diese Probleme kommen eigentlich immer von den Älteren.” “Wenn man alleine ist, dann führt das zu Einsamkeit und man sucht seine Aufmerksamkeit in der Bahn.”
Aufeinander zugehen geht wohl leider erst dann wenn einige aufeinander los gehen. Erst muss wohl oder übel etwas passieren, damit man normal miteinander redet.
Meine Moral von der Geschicht:
Zivilcourage hat man oder nicht.
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Schon seit geraumer Zeit suche ich nun nach einer geeigneten Zivildienststelle. Auf der “Zivildienstbörse” im Internet findet man Adressen und Telefonnummern zu eingetragenen Zivildiensstellen. Alle Stellen die ich bis dahin anrief sagten mir, dass sie alle Stellen bereits vergeben hätten. Nach langer Suche hab ich mir gedacht es doch mal bei diesem Altenheim zu versuchen. Ich rufe an:
*Es klingelt*
Eine Dame hebt den Hörer ab und stellt sich vor. Ich reagiere. “Guten Tag, mein Name ist Polat. Ist es möglich bei ihnen Zivildienst abzuleisten?” “Nein.” “……achso…warum denn nicht?” “Nein heißt Nein!” “…Entschuldi…” “Ein Nein haben Sie zu akzeptieren!” “Ich wollt doch nur“ “Danke-tschüss.” *aufgelegt*
Total fassungslos und schockiert frage ich mich was das gerade war. Einige Tage später erklärt mir ein Kumpel was ihm widerfuhr, als er auf der Suche nach einem Studentenjob war. Am Telefon nannte er seinen Namen und sagte ganz freundlich, dass er wegen dem Studentenjob anriefe. Die Frau am anderen Hörer: “Moment, wie heißen Sie nochmal?”
Ich muss erwähnen, dass er zwar eine deutsche Mutter hat, aber einen libanesischen Vater, was bedeutet, dass sein Nachname nicht gerade deutsch klingt. Die Antwort: “Sorry, der ist schon weg. Ciao.”
Es ist bemerkenswert, dass sie sich erst noch einmal nach dem Namen erkundigen musste, um sagen zu können, dass die Stelle bereits vergeben ist. Dies erinnerte mich wiederum an einen anderen Anruf, den ich tätigte. Einmal vergaß ich doch glatt meinen Namen zu erwähnen. Worauf der Herr am anderen Ende mir sagte, dass er erst sehr gern wissen würde mit wem er denn spreche.
“Ach Entschuldigung, ich vergaß, Polat ist mein Name.” – “…tja, tut mir Leid wir haben leider keine Stelle mehr frei.” – “Achso, schade…” – “Tja kann man nichts machen. Wie gesagt, ist nichts mehr frei.” – “ok, trotzdem vielen Dank.” – “Ja bitte, Tschüss.”
*aufgelegt*
Ich habe schon davon gelesen, dass Bewerbungen mit nichtdeutschen Namen in Deutschland häufiger abgelehnt werden. Ich hätte aber nicht gedacht, dass es manchmal so offensichtlich sein kann.
[Geschrieben von Schwester Fida J. (19), aus Karlsruhe]
Wie fühlt man sich als Muslima in Deutschland? Ich bin eine Muslima in Deutschland, doch wenn ich beschreiben soll, wie ich mich fühle stehe ich vor einem Problem. Denn sage ich, dass ich mich hier unwohl fühle, sagt man mir „Geh zurück in dein Land, alta!“ oder „So kann man sich doch nicht integrieren!“ oder „Was für Unwohl? Hier haste Religionsfreiheit, die du in deinem Land nicht hast!“. Sage ich aber, dass ich mich wohl fühle, muss ich an die netten Leute im Zug denken, die mich angaffen, entweder mit Hass in den Augen oder voll Mitleid oder an die Menschen, die glauben, dass ich kein Deutsch kann und mir per Pantomime erklären, was zum Beispiel eine Waschmaschine ist.
Eine gern gestellte Frage ist auch, ob ich mich mehr als Deutsche oder als Ausländerin fühle. Ich beherrsche die deutsche Sprache, ich bin hier geboren, ich bin hier aufgewachsen spreche besser Deutsch als meine Muttersprache. Würden Außenstehende nicht sagen, dass ich Deutsche mit Migrationshintergrund bin? Ich denke ja. Nur, wenn man mit einem Stück Stoff auf dem Kopf vor solch einem Menschen steht, wird er es sich wohl anders überlegen.
Nun zurück zum Thema. Fühle ich mich hier wohl? Zuallererst muss ich betonen, dass ich die Freiheiten, die ich hier habe sehr zu schätzen weiß, genauso wie die Sicherheit und die Möglichkeiten, die mir hier geboten werden. Grundsätzlich fühle ich mich hier wohl, aber jetzt kommt das große ABER. Dieses Wohlgefühl wird täglich auf die Geduldsprobe gestellt. Es macht nämlich wirklich keinen Spaß jedes Mal danach gefragt zu werden, ob man Deutsch spricht. Es macht keinen Spaß, die Verwunderung in den Augen der Menschen zu sehen, die erfahren, dass ich ein Gymnasium und keine Hauptschule besuche. Es macht keinen Spaß bemitleidet zu werden, obwohl man dieses millimeterdünne Stück Stoff freiwillig trägt. Es macht ebenso keinen Spaß sich dafür rechtfertigen zu müssen, obwohl man damit niemandem schadet. Und richtig, es macht auch keinen Spaß jedes Mal diesen Vorurteilen zu begegnen und Tag ein Tag aus in den Medien Berichte über Ehrenmord, „Islamisten“ und kriminellen Muslimen zu sehen. Es macht absolut keinen Spaß zu sehen, dass über 90% der Deutschen Angst vor uns haben und bei Dokumentationen über den Islam stets komische Leute vorgeführt werden und nicht die gemäßigten Muslime, die übrigens die Mehrheit bilden.
Wieso das Wohlgefühl so von Unwohl geprägt ist kann ich gut anhand meiner eigenen Erfahrungen darstellen. Mir wird immer erzählt, dass ich die Klappe halten soll, weil ich hier Religionsfreiheit habe. Tjaaaa, aber wenn mir gesagt wird, dass ich hier die Freiheit habe meine Religion hier zu leben, dann verlange ich auch dass dieses Grundgesetz wirklich eingehalten wird. Beispielsweise halte ich ein Kopftuchverbot an Schulen für unangemessen. Ich spreche hier von keinem Gerücht, nein, nur 40 km von Karlsruhe entfernt ist das Kopftuch am Gymnasium und der Realschule verboten, nach dem Motto: „Wenn du Grips hast, dann zeig nicht, dass du Muslima bist. Wenn du dein Kopftuch aufbehalten willst, kannste auf die Hauptschule!“.
Auch das Kopftuchverbot für Beamtinnen schränkt für mich persönlich die Berufswahl enorm ein. Zuerst wollte ich Lehrerin werden: PECH!. Okay, dann wollte ich Staatsanwältin werden: PECH!. Hmm, ja ich wollte ja nur für diesen deutschen Staat arbeiten und mich integrieren, aber nein, man will mich nicht mit diesem Tuch. Es könnte ja sein, dass ich darunter eine Bombe verstecke oder dass die Kinder Albträume von meinem Tuch bekommen. Es gibt einen Lehrermangel in Deutschland und da kann man es sich wirklich leisten auf qualifizierte Arbeitskräfte zu verzichten? Verstehe…
Auch in der Schule kriegt man ab und zu nette Kommentare zu hören, wie
„Wegen deinem Kopftuch kommt nicht genug Sauerstoff durch deine Ohren an dein Gehirn und dann kannste nicht denken!“
LEUTEEEEEE, alle Kopftuchträgerinnen sind dumm, weil das Tuch den Sauerstoffzugang versperrt. Für diese wissenschaftliche Errungenschaft müsste dieser Lehrer den Nobelpreis erhalten. Glückwunsch!!! Oder es wird einem in der Schule erzählt, dass man unterdrückt wird. „Nein, ich werde nicht unterdrückt!“ – „Ach du Arme, wirst von deinem Vater unterdrückt…“ Nein, noch einmal, wir werden nicht unterdrückt.
Dieses schwere Stück Stoff tragen wir freiwillig und lasst jetzt bitte die Vorurteile, damit wir uns hier weiterhin wohl fühlen können und es uns mit dem integrieren nicht anders überlegen. Wir wollen uns für diesen Staat engagieren, also lasst uns doch bitte die Möglichkeiten dafür offen, dann werden auch wir bereit sein dieses Fünkchen Unwohlsein zu beseitigen! :)
Fida J.
[Ein Dankeschön an die Schwester, die mir diesen Text zukommen ließ]







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