
Die 7 Milliarden Grenze ist erreicht. Während einige sich angesichts dieser großen Zahl Sorgen um die Ernährung der Weltbevölkerung machen, verschwenden wiederum andere noch immer unfassbare Unmengen an Lebensmittel.
Ist euch schon einmal aufgefallen, dass die Regale im Supermarkt zu jeder Zeit gefüllt sind? Morgens bis abends, Tag für Tag, sei es Fleisch oder Gemüse. “Gibt’s nicht” gibt’s nichts. Wo kommt das alles her? Eine andere Frage, die man stellen sollte könnte auch lauten: Wo geht das alles hin?
Ich möchte euch ein wenig auf diese Thematik der Verschwendung von Lebensmittel sensibilisieren. Die Welternährungsorganisation der Uno sagt, dass mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel im Müll landet. Das Meiste auch noch bevor es unseren Esstisch überhaupt erreicht. Allein in Deutschland werden jährlich 15 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, eine halbe Million davon ist Brot. Man würde beim Versuch sich diese Menge an Nahrung auf einem Haufen vorzustellen kläglich scheitern. Sich eine halbe Millionen Lastwagen von Berlin bis Peking aneinandergereiht vorzustellen, würden wir unserem Vorstellungsvermögen noch immer keinen Gefallen tun. Unser Verstand würde es aber erfassen wenn wir hören, dass das Essen, das wir in Europa wegwerfen zwei Mal reichen würde, um alle Hungernden der Welt zu ernähren.
Es sind nicht nur die Haushalte, welche schon allein Nahrung im Wert von 20 Milliarden Euro in Deutschland jährlich wegwerfen, sondern vor allem die Industrie und die Marktwirtschaft. Nehmen wir als eine kleine Einführung das Mindesthaltbarkeitsdatum von einem Lebensmittel. Es wird von der Industrie selbst festgelegt und nicht von irgendeiner Gesundheitsbehörde. Außer bei Fleisch-, Fisch- und Eiprodukten ist es keineswegs ein Hinweis auf gesundheitliche Risiken, nein, sondern es geht um bestimmte Eigenschaften des Produkts, wie z.B. die Cremigkeit von Jogurt. Wir haben uns bei solch einem Übermaß an Auswahl Bedürfnisse geschaffen, die wir vorher gar nicht hatten. Und schließlich wollen wir als Kunden bei solch einem Überfluss an Auswahl nur das Beste, etwa genauso wie die Industrie unser Bestes will, nämlich Geld.
Das Haltbarkeitsdatum als Berechtigung für das Wegwerfen angenommen, schmeißt der Verbraucher nun mit gutem Gewissen diese Lebensmittel „im Dienste seiner Gesundheit“ in den Müll. Aber der Wahnsinn beginnt erst hier. Denn das Meiste was Supermärkte als Abfall werten, wird noch vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums weggeworfen. Frische Bananen und Tomaten, die noch zu 100% genießbar sind, verschwinden ohne wenn und aber in der Müllpresse. Hinzu kommt auch noch, dass die Hersteller dieses Haltbarkeitsdatum immer weiter verkürzen. Man beachte das Ablaufdatum von Mineralwasser… Ja selbst Wasser habe ein Ablaufdatum. So produziert ein einziger Supermarkt jedes Jahr zwischen 500 und 600 Tonnen Abfälle. Dadurch das mehr weggeworfen wird, wird auch mehr gekauft, also wird auch mehr produziert werden.
Klettern wir die Leiter des Wahnsinns noch weiter hoch, sehen wir, dass die Lebensmittelverschwendung bereits beim Ernten beginnt. Zu kleine oder zu dicke Kartoffeln, aber auch Tomaten die den Farbscan nicht bestehen (ihr rot darf nicht “zu” hell, aber auch nicht “zu” dunkel sein) werden gleich wieder aussortiert. Auf diese Weise werden 40-50% bei der Ernte weggeschmissen.
Im Supermarkt wird man keine Gurke finden, die krumm ist oder Äpfel die nicht gleich groß sind, egal wie perfekt sie auch seien, sie entsprechen dann noch immer nicht der Handelsnorm und werden erst gar nicht angeboten. Zudem werden Lebensmittel vernichtet, damit der Preis stabil bleibt. Es gibt einfach zu viel davon auf dieser Erde. Der Vernichtungswahn nimmt kein Ende.
Diese ganze Lebensmittelverschwendung ist angesichts des Hungers auf der Erde eigentlich unglaublich. Anstatt die Überproduktion bzw. den Überfluss an die Länder weiterzugeben, wo sie dringend gebraucht werden, landet mehr als die Hälfte im Müll. Tonnenweise Obst reist tausende Kilometer zum Großmarkthandel, um auf der Müllkippe zu landen. Warum verschenken die Händler nicht die noch essbaren Lebensmittel, statt sie wegzuwerfen? Eine französische Hilfsorganisation versucht etwas von den für die Mülltonne bestimmten Lebensmittel zu retten, aber sie bekommen längst nicht alles. Wenn man alle Arten von Lebensmitteln tausende Kilometer auf Reise schicken kann, um sie anschließend auf die Müllkippe zu werfen, wieso fällt es dann so schwer diese Lebensmittel dorthin zu bringen, wo hungernde Menschen sie brauchen?
Gott hat uns als Statthalter auf dieser Erde eingesetzt und so müssen wir uns auch verhalten, nämlich verantwortungsvoll mit der Umwelt und den Mitmenschen umgehen. Es ist nicht nur eine Option diesen Menschen zu helfen, es ist eine Pflicht.
Man kann nur wütend werden angesichts der Tatsache, dass die Fischbestände vor den Küsten Afrikas leer gefischt werden, um sie dann anschließend einfach so auf den Abfall zu werfen. Schon ein einziges der vielen europäischen Schiffe fängt an einem Tag so viele Tonnen Fisch, wie ein anwohnender Fischer nicht einmal im Jahr fangen könnte, wenn er täglich aufs Meer führe.
Unsere Großeltern wussten noch was Hunger bedeutet. Heute haben wir hunderte von Auswahlmöglichkeiten und haben uns Bedürfnisse geschaffen, die wir vorher gar nicht hatten. Der Kunde will nicht nur ein Produkt haben, sondern eine Auswahl. Die weggeworfenen Lebensmittel zahlen wir als Kunden mit, weil nicht alles verkauft wird. Dadurch, dass wir sie wegwerfen geht nicht nur bei uns, sondern vor allem beim Rest der Welt der Preis hoch. Für uns mag es zwar keinen großen Unterschied zu machen, aber für die Ärmsten der Welt ist eine Preissteigerung von Weizen, die durch unser Wegwerfen ausgelöst wird, ein folgenschwerer Verlust, der Millionen von Menschen an einer ausreichenden Ernährung hindert. Je mehr wir wegwerfen, desto höher ist der Preis. Unser Wegwerfen führt also noch einmal indirekt zu Hunger in der Welt. Dazu kommt noch, dass über 50% des gehandelten Getreides als Tierfutter dient (um Fleisch zu produzieren) oder Bio-Kraftstoff, aber nichts davon kommt bei hungernden Menschen an.
Nun gibt es 7 Milliarden Menschen und es gibt Nahrung auf der Welt für ein vielfaches dieser Zahl. Deswegen ist es unsinnig zu behaupten, dass die vorhergesehene „Überbevölkerung“ an sich der Grund für noch mehr Hungernde Menschen sein wird. Die Überflussgesellschaft ist einfach nur im Wahn des Übermaßes.
„Und seid nicht verschwenderisch, Er liebt gewiss nicht die Maßlosen.“ (Sure 6, Vers 141)







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