
Ich habe diesen Film bereits zweimal sehen müssen. Er beinhaltet zwar witzige Momente, aber insgesamt hat mir dieser Film nicht gefallen. Ich betrachte ihn sehr kritisch.
In diesem Film wird der Eindruck vermittelt, dass die allbekannte Zwangsheirat ein Ritus des Islams sei. Dass sie eine Lehre des Islam sei. Dass sie ein fester Bestandteil des Lebens praktizierender Muslime sei. Dasselbige liest man auch in Inhaltsangaben zum Film:
“Der älteste Sohn soll auf traditionell-muslimische Weise verheiratet werden, d.h. ohne seine zukünftige Frau je gesehen zu haben.”
Dieser Satz ist sachlich falsch. Arrangierten Ehen sind islamisch gesehen nicht verboten, jedoch müssen dabei mindestens zwei sehr wichtige Bedingungen getroffen werden. Die beiden potentiellen Ehepartner müssen sich vorher gesehen haben und die Ehe ist ungültig, wenn einer der beiden ihre bzw. seine Einwilligung dazu nicht gegeben hat.
Für Leute mit wenig Englischkenntnissen tut es mir Leid, dass ich den unten aufgeführten Hadith nicht auf Deutsch gefunden habe. Daher übersetze ihn auch gleich danach und entschuldige mich schonmal für die grobe Übersetzung.
From al-Mugheerah ibn Shu’bah: “I proposed marriage to a woman, and the Messenger of Allaah (peace and blessings of Allaah be upon him) said: ‘Have you seen her?’ I said, ‘No.’ He said, ‘Look at her, because it is more fitting that love and compatibility be established between you.’” According to another report: “So he did that, and he married her and mentioned that they got along.” (Reported by al-Daaraqutni, 3/252 (31, 32); Ibn Maajah, 1/574)
Ein Mann (al-Mugheerah ibn Shu’bah) sagte zum Propheten (a.s.), dass er eine Frau heiraten werde, woraufhin der Prophet (a.s.) ihn fragte, ob er sie gesehen habe, was er verneinte. Daraufhin sagte der Prophet (a.s.) zu ihm: “Sieh sie dir an, denn so ist es eher gewährleistet, dass Liebe und Kompatibilität zwischen euch besteht/entsteht.” Einer Anderen Überlieferung zufolge, heißt es zusätzlich noch: So tat er dies und heiratete sie und erwähnte, dass sie gut miteinander auskamen.
Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: “Eine ältere Frau darf nicht verheiratet werden, bis sie dies selbst zulässt. Und eine Jungfrau darf nur verheiratet werden, wenn sie der Heirat zustimmt.” […] (Sahih Al-Bucharyy Nr. 5136)
Chansa’ Bint Chidam Al-Ansaryya* berichtete, dass sie als Thayyib ** von ihrem Vater wiederverheiratet wurde, und dass sie damit nicht einverstanden war. Sie begab sich deshalb zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, und er machte ihre Heirat rückgängig.
[*D.h. von den Al-Ansar = Helfern = Bewohnern von Medina; **geschiedene oder verwitwete Frau] (Sahih Al-Bucharyy Nr. 5138)
Hier sehen wir, dass die Ehe einer zur Heirat gezwungenen Frau vom Propheten (a.s.) höchst persönlich ungültig gemacht wurde.
Zwangsheirat ist ein kulturelles Phänomen. Zwangsverheiratungen sind heute vor allem in muslimischen und hinduistischen Gesellschaften verbreitet. Bekannt sind solche Fälle aber auch in buddhistischen, jesidischen und sogar christlichen Umfeldern.
Der Leitgedanke des Filmes ist der “clash of cultures“. Und unser Augenmerk sollte auch genau dort liegen. Religiöse Prinzipien sollten nicht mit Herkunftskulturen verwechselt werden. Leider gibt es viele Muslime, die ihre Kultur und ihre Traditionen über ihre Religion stellen. Daher sieht man (nur) anscheinend praktizierende Muslime Dinge tun, die nichts mit dem Islam zu tun haben, ja seinen Lehren sogar widersprechen. Und der Islam ist die einzige Religion, die in ihren Lehren Zwangsverheiratungen verbietet.
Als vor einem halben Jahrhundert Muslime nach Europa immigrierten, waren sie fest dazu entschlossen irgendwann wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Die meisten dieser ersten Generation kamen vom Lande und waren wenig gebildet. Sie hatten den Islam nicht groß studiert – so erklärt Tariq Ramadan – was bedeutete, dass ihre religiösen Praktiken weiterhin stark von ihrer Herkunftskultur geprägt waren, egal ob Indo-Pakistaner, Nordafrikaner oder Türke.
Sie hängen heute teilweise noch immer an all ihre (unislamischen) Traditionen. Diese gehen auch meistens einher mit Nationalismus. Im Islam gibt es keinen Nationalismus oder Rassismus, jedoch gibt es Muslime, die sich nach Lust und Laune aussuchen welchen Teil ihrer Religion sie praktizieren wollen und welchen nicht. So kommt es oft vor, dass es zu keiner Ehe zwischen Muslimen verschiedener Nationalität kommt, weil die Eltern meistens dagegen sind. So besteht auch Familienvater George in “East is East” strengstens darauf, dass seine Söhne Pakistanerinnen heiraten.
Ich versuche diesen Sachverhalt genauer zu erklären:
Bevor der Islam kam waren die Leute stark an ihre Stämme und Nationen gebunden. Sie dachten in Klassensystemen, die jeden nach Kategorien ordneten. Der Islam kam, um die Menschen von solch einem Denken zu befreien. Dies war auch erfolgreich, aber bei einigen hat der Islam nicht sie verändert, sondern sie haben “ihren” Islam verändert.
“O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennen lernt. Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Gewiss, Allah ist Allwissend und Allkundig.” (Quran 49:13)
Dschabir (r.a.), überlieferte, dass sich der Prophet (a.s.) und sagte:
“O ihr Menschen! Gewiss, ihr habt einen Herrn (Allah) und einen Vater (Adam). Kein Araber ist besser als ein Nichtaraber, und kein Nichtaraber besser als ein Araber; und kein Weißer ist besser als ein Schwarzer und kein Schwarzer besser als ein Weißer. Die Überlegenheit liegt allein in der Rechtschaffenheit und Frömmigkeit.” (Ahmad und Al-Baihaqi)
Im Falle von Familienvater George, der despotisch versucht seinen Kindern sowohl islamisch als auch nach all den Pakistanischen Sitten zu erziehen, sehe ich, dass es ihm nur darum geht bei seinen Landsleuten als wahrer und traditionstreuer Pakistaner respektiert und geachtet zu werden. Es geht wieder nur um Ruf und Ehre. Er schämt sich für seine Kinder, weil sie kein Wort Urdu sprechen noch Pakistansiche Bräuche akzeptieren. Nachdem auch noch seine Frau beim Versuch ihre Kinder zu verteidigen ihn als “stupid” bezeichnet, fühlt er sich in seinem letzten Stück Stolz verletzt und rastet entgültig aus. In Rage verprügelt er sie.
Eines der Vorurteile dem Islam gegenüber ist, dass Muslime ihre Frauen schlagen dürfen, wenn sie es wollen, aber es entspricht weder der islamischen Ethik noch spiegelt dieses Bild die Mehrheit der Muslime wider.
Es berichtet Abu Huraira (r.a.), dass der Prophet (a.s.) sagte:
“Die Der vollendeste vollendetste Muslim in Glaubensangelegenheiten ist derjenige, der ein vorzügliches Benehmen hat, und die Besten unter euch sind jene, die ihre Ehefrauen am besten behandeln.” (At-Tirmidhi)
Es ist zum Beispiel bekannt, dass der Prophet (a.s.) seine Frauen niemals geschlagen hat und sein Vorbild gilt für alle Muslime.
Der Prophet Muhammad (a.s.) sagte: “Der Beste unter euch ist derjenige, der seine Frau am besten behandelt, und ich bin ein Vorbild in der Behandlung meiner Familie.” (At-Tirmidhi)
Es ist eine Sünde überhaupt irgendjemandem ins Gesicht zu schlagen. Wie groß ist die Sünde, wenn man seiner eigenen Ehefrau ins Gesicht schlägt?
[Jemand, der den Quran aufschlägt und auf eigene Faust ohne Hintergrundwissen zu interpretieren beginnt und meint verstanden zu haben was da steht und was damit gemeint sei, ist ein Narr. Bevor man eine Sache falsch versteht, oder jemanden einer Lüge bezichtigt, sollte man zuerst einen Wissenden fragen was eine bestimmte Stelle zu bedeuten hat, oder die Erklärung eines Gelehrten dazu lesen, ansonsten würde man die Worte des Propheten nicht beachten.]
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